| Gemeindewehr Gemeindewehr Gedanken zur Freiwilligkeit

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Gedanken zur Freiwilligkeit Drucken

Auszug aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Ortswehr Ahrensburg 1981

"Wieso freiwillig ? - Hier gibt`s doch eine Berufsfeuerwehr !" Gerade neuzugezogene Bürger aus Hamburg oder anderen Großstädten sind der Auffassung, eine Stadt wie Ahrensburg müßte eine Berufsfeuerwehr haben. Irrtum ! Selbst wenn in Ahrensburg Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehrleute gleichen Aussehens wie in einer Großstadt am Einsatzort erscheinen und die Arbeit in gleicher Weise verrichtet wird - die Männer und Frauen in Ahrensburg tun es freiwillig und ohne materielle Gegenleistung durch den Betroffenen bzw. durch die Gemeinschaft. Bei Städten in unserer und vergleichbarer Größe werden die Feuerwehren auch zukünftig freiwillig bleiben. Die Einsatzzahlen einerseits und die hohen Personalkosten anderseits lassen schon für sich betrachtet die Einrichtung einer Berufsfeuerwehr nicht zu. Glücklicherweise sind immer noch ausreichend viele Bürger zum freiwilligen Feuerwehreintritt bereit, und dies obwohl mit dem Eintritt besondere Pflichten übernommen werden und erst der Austritt wieder unumschränkt vom freien Willen abhängt.
Was aber veranlaßt diese Bürger zum freiwilligen, dabei nicht ungefährlichen Dienst ? Warum muten sie sich selbst und außerdem ihrer Familie die Belastung durch die Tätigkeit im "blauen Rock" zu, wo sie noch nicht einmal Bezahlung erhalten?

Zunächst einmal ist in einer Stadt wie Ahrensburg die Freiwillige Feuerwehr nicht das unangefochtene, tragende Bein des gesellschaftlichen Lebens. Anders als in einer dörflichen Gemeinschaft kann diese Rolle in Ahrensburg wohl keine Organisation, sei sie Partei oder Verein, für sich in Anspruch nehmen, wobei diese Vielfalt gar zu bedauern sondern im Gegenteil als Gewinn für das Gemeinschaftsleben anzusehen ist. Die Belastung der Wehren im dörflichen Bereich durch Dienst- und Einsatztätigkeit ist dabei ungleich geringer als in einer Stadt. Die Feuerwehr einer Stadt wie Ahrensburg könnte diese Funktion überhaupt nicht wahrnehmen.

Um so ergiebiger für die Frage nach den Ursachen der Freiwilligkeit könnte die Betrachtungsweise sein, wonach die Gründe der Feuerwehrmitgliedschaft in Negativhaltung zu vermuten sind. Es ist nicht auszuschließen, dass Leute bei der Feuerwehr sind, weil sie gerne Feuer sehen. Schließlich handelt es sich hier um ein Ursymbol für den Menschen, über das eine Vielzahl tiefenpsychologischer Literatur geschrieben worden ist. Der Schein eines Kerzenlichts oder eines Kaminfeuers spricht uns alles an, ohne dass eine solche Haltung negative Bedeutung beigemessen erhielte. Im übrigen besteht die Hauptarbeit der Feuerwehr schon längst nicht mehr im Feuerlöschen, so dass etwaige Lustgefühle sehr selten sein müßten und die umfangreichen sonstigen Einsatz- und Dienstverpflichtungen kaum aufzuwiegen vermögen. Bei 1979 in der Bundesrepublik Deutschland 1 Million (!) aktiver Feuerwehrmitglieder sind die Brandstifter aus Feuerwehrkreisen mit der Lupe zu suchen. Ein Pyromane ist ein kranker Mensch, daher wäre dieses Feuerwehrmitglied besonders bemitleidenswert, und die Gemeinschaft wäre ihm gegenüber zur therapeutischen Hilfe verpflichtet. Der Brandstifter hingegen, der wegen des materiellen Vorteils, z. B. zum Zwecke des Versicherungsbetrugs , oder aber zur Verdeckung einer Straftat zündelt, verdient die Verachtung seiner Mitbürger.

Es mag Einzelfälle geben, die im Alltagsleben keine Befriedigung erhalten können. Rettungsdienste und Feuerwehren bei ihrer Tätigkeit in Schadensfällen behindernde Wände aus Schaulustigen lassen diese Leute jedoch bei den außerhalb der Masse grundsätzlich sich passiv verhaltenden Menschen vermuten. Der freiwillige Eintritt, die einjährige Ausbildung und die folgende Belastung durch Einsätze und Dienste erfordern ganz im Gegenteil den besonderen persönlichen Einsatz, ohne Dank und Anerkennung in jedem Einzelfall erwarten zu können. Verlangt wird ferner das Einfügen in eine gefestigte Gruppe mit feststehenden Regeln. die auf die Funktionsfähigkeit dieser Gemeinschaft und nicht auf die Profilierung des Einzelnen abzielen.

Trotzdem sind Kameradenhudeleien und die Kritikfähigkeit erstickender Stallgeruch bei der Feuerwehr nicht anzutreffen. Die Ergebnisse bei Wahlen, die Diskussionen über Einsatz- und Dienstabläufe nach ihrer Bewältigung sowie das Bemühen der gewählten Führungskräfte um allseits anerkannte Entscheidungen und um gemeinsames Vorgehen bei der Aufgabenverteilung sind die besten Beweise für die ausgeprägte demokratische Struktur der Wehren. Fanatische Anhänger von mit Ehrenzeichen überladenen Uniformen und scharfem Drill kommen nicht auf ihre Kosten. Ordnungsdienst und Befehlssystem sind nicht Methoden zur Erzielung von Einförmigkeit sondern bloße Hilfsmittel bei der sachgemäßen und schnellen Erledigung von Einsatzaufgaben, also bei der Führung und Organisation im Einsatzfall.

Nahezu jede Vereinsmitgliedschaft bietet die Möglichkeit, sich im Kreise mit anderen gemütlich zusammenzusitzen und auch einmal mehr als zum Durstlöschen erforderlich zu trinken. Diesem nicht einseitig gut zu heißendem Bedürfnis wird ebenfalls in Gaststätten, im privaten Kreis und sogar an Arbeitsstätten nachgegeben. Erklärungsversuche mit Negativbildern sind daher im Tatsächlichen nicht nur vordergründig und untypisch, sonder bezogen auf die ganze überwiegende Mehrheit der Mitglieder einfach falsch. Bloß vordergründig erscheinen ferner das Anführen der Begeisterung für die mit dem Feuerwehrbereich verbundene Technik und die Tatsache, dass jeder selbst einmal vom "Roten Hahn" betroffen sein kann.

Weiter führt der Umstand dazu, dass Feuerwehrfamilien, und nicht nur die Feuerwehrmänner bei ihren Einsätzen, positiv in Erscheinung treten. Nicht gestörtes Zusammenleben sondern Menschlichkeit, Opferbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative sind ausgeprägte Merkmale der Mitglieder von Feuerwehrfamilien. Dabei sieht sich der Einzelne als Teil des Ganzen, das in Freiheit und friedlich fortzuentwickeln gilt. Diese wertbezogene Geisteshaltung, die zur Übernahme von - die eigene Person belastende ja sogar gefährdende - Pflichten ohne entsprechenden materiellen Gewinn führt, mag Idealismus genannt werden. Sie findet sich nicht nur bei den aktiven Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren und ihren Familien sondern ebenso bei den Mitgliedern anderer Hilfsorganisationen, der Wohlfahrtsverbände und der Kirchen. Bei vielen Berufstätigen ist sie notwendige Grundlage zur Ausübung des Berufes. Es ist somit oftmals Zufall, dass der Betreffende zur Feuerwehr und nicht zu einer anderen Hilfsorganisation gegangen ist. Andrerseits sind es gerade die Brand- und Katastrophengefahren, die jede Form der Lebensgemeinschaft unmittelbar in ihrem Bestand bedrohen. Es ist auch kein Zufall, dass sich vor allem naturwissenschaftlich interessierte Juristen, allen voran J. W. v. Goethe, mit der Bekämpfung von Brand- und Katastrophenfällen befaßt haben. Der Schutz vor diesen Gefahren ist für unsere Gesellschaft und für den Einzelnen von existentieller Bedeutung. Bei den Feuerwehren gerade auch in Städten der Größe und Struktur von Ahrensburg läuft der Idealismus nicht leer. Diese Erkenntnis hat viele Freiwillige bei ihrer Entscheidung für den Eintritt in die Feuerwehr geleitet, ohne dass sie es im Wortlaut ebenso formulieren könnten.

Idealismus findet sich auch bei Menschen, die aus persönlichen oder beruflichen Gründen nicht unmittelbar Dienst am Nächsten leisten können. In diesem Zusammenhang sei auf die passiven Mitglieder der Feuerwehr hingewiesen, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen ihre Geisteshaltung bekunden oder aber zumindest das Engagement der aktiven Feuerwehrmitglieder anerkennen wollen. Anerkennung ist weit mehr noch als Erfolg zur Aufrechterhaltung des Idealismus vonnöten.

Der Idealismus der Feuerwehrmänner und Frauen hat für den gefährdeten Einzelnen ebenso aber für die Gemeinschaft unmittelbare Vorteile. Die durch die Freiwilligkeit eingesparten Gelder ließen sich vielleicht noch bemessen. Die Einbeziehung des Bürgers in die Verantwortung für die Gemeinschaft ist aber daneben ein Nutzen rein immaterieller Art, der noch weitaus höher für die Gemeinschaft zu veranschlagen ist. Würde nur die reine Erwartungshaltung des Bürgers gegenüber der Gemeinschaft als Service-Organisation vorhanden sein und ihm keine Gelegenheit zur persönlichen Verantwortung gegeben, so kann er sich nur schwer mit dieser Gemeinschaft identifizieren und ihr Bestand wird gefährdet sein. Bemerkenswert ist ferner, dass ein "Dienst nach Vorschrift" oder sogar ein Streik, wie er aus Großbritannien, Kanada oder den USA von den Feuerwehren bekannt geworden ist, bei den Freiwillligen Feuerwehren nicht über schwierige rechtliche Erwägungen aus einem Beamtenverhältnis verboten werden braucht, sondern bereits aus dem beschriebenen Idealismus heraus undenkbar ist.

Einem etwaigem Mißverständnis sei zuvorgekommen: Idealismus kann keine Leistung ersetzen. Aber Idealismus kann Leistung tragen und steigern. Wird mit der der beschriebenen idealistischen Geisteshaltung Dienst an der Gemeinschaft im besten Sinne des Wortes "geleistet", so wird die Gemeinschaft sich gedeihlich fortentwickeln und der einzelne Feuerwehrmann oder jeder andere Idealist einen gewaltigen Schritt zur Sinnesgebung seines Lebens tun. Mögen sich viele Bürger aller Berufe der unterschiedlichsten Vorbildungen vom so verstandenen Idealismus leiten lassen und gerade die Feuerwehr als Tätigkeitsfeld wählen. Die Gemeinschaft der Feuerwehrmänner und Frauen wird dann auch künftig ein verläßlicher und fortschrittlicher Partner ihrer Mitbürger bleiben, und die nachfolgenden Worte werden weiterhin als Leitgedanken Geltung haben:

Gott zur Ehr`- Dem Nächsten zur Wehr !

Einer für Alle - Alle für Einen !